Jurastudium, Praktika

Interview – Praktikum in der Großkanzlei Hogan Lovells, Frankfurt am Main

Ich hatte die Gelegenheit einen Kommilitonen zu seinen Erfahrungen in der internationalen Großkanzlei Hogan Lovells zu befragen.
Wie ihm sein Praktikum im Herbst 2018 gefallen hat und ob er ein Praktikum in einer Großkanzlei generell empfehlen kann, liest du im Folgenden.

Dennis, du hast ein Praktikum bei Hogan Lovells gemacht. Wie kam es dazu?

In Hessen ist es so, dass man drei Pflichtpraktika zu je mindestens einem Monat absolvieren muss. Im Frühjahr 2018 hatte ich das Gerichtspraktikum gemacht, deshalb waren für mich noch zwei Praktika offen. Ich hatte den Wunsch diese, oder zumindest das nächste, in einer Großkanzlei zu absolvieren. Um mich über meine Möglichkeiten und potenzielle Praktikumsgeber zu informieren habe ich mich deshalb auf der Karrieremesse am Fachbereich der Uni Frankfurt umgesehen.

So kam ich mit Mitarbeitern von Hogan Lovells ins Gespräch. An dieser Kanzlei hat mich direkt das frische und moderne Image angesprochen, zudem wollte ich gern in eine amerikanische Großkanzlei, und es hat deshalb gut gepasst.

Nach diesem ersten Kontakt auf der Messe, habe ich dann auf einem Workshop in der Universität einen Partner von Hogan Lovells aus dem Bereich Kapitalmarktrecht kennen gelernt. Im Anschluss an dieses Event sendete er allen Teilnehmenden eine keep-in-touch Email, auf welche ich noch am selben Abend antwortete.

Nach nur drei bis vier weiteren Emails, in denen ich ihm meinen aktuellen Notenauszug, meinen Lebenslauf und weitere Dokumente sendete, hatte ich das Praktikum mit ihm fest ausgemacht. Der Arbeitsvertrag folgte innerhalb einer Woche. Es war also insgesamt kein klassisches Bewerbungsverfahren und der persönliche Kontakt hat alles erheblich vereinfacht.

Hast du dich auf dein Praktikum, gerade weil es dein erstes in einer Großkanzlei war, besonders vorbereitet?

Vor Beginn meines Praktikums erhielt ich Emails mit wichtigen Informationen, zum Beispiel über meinen ersten Tag in der Kanzlei. Organisatorisch wurde ich also bestens vorbereitet.

Fachlich schaute ich mir noch einmal bestimmte Aspekte aus verschiedenen Rechtsgebieten an, beispielsweise aus dem Kaufvertragsrecht. Vorkenntnisse im Kapitalmarktrecht hatte ich jedoch nicht und die wurden auch keinesfalls erwartet.

Kleidungstechnisch war mir bewusst, dass ein Anzug in Großkanzleien Pflicht ist. Das war jedoch kein Problem, da ich gerne Business Look trage. Ich aktualisierte meine Garderobe vor Beginn des Praktikums. Ab dem zweiten Tag im Büro ließ ich meine Krawatte jedoch zu Hause und auch an jedem Freitag ging es aufgrund des „casual fridays“ eher etwas legerer zu.

Wie sahen die ersten Tage in der Kanzlei für dich aus?

Das Kanzleibüro umfasst in Frankfurt am Main etwa 8 Stockwerke. Mit den über 60 Anwälten handelt es sich um einen relativ großen Standort.

Am ersten Tag erhielt ich zunächst eine Kanzleiführung, zudem gab es ein Willkommenbriefing mit weiteren Praktikanten des Standorts. Auch in meinem Team „corporate transactions“ gab es zwei weitere Praktikanten, diese hatten ihr Praktikum jedoch schon früher begonnen.

Ich wurde an diesem ersten Tag jedem Teammitglied vorgestellt, dazu gehörten der Partner, drei AnwältInnen, sechs wissenschaftliche MitarbeiterInnen und drei ReferendarInnen.

Meinen Arbeitsplatz bekam ich in einem Büro, das ich mir mit einer Referendarin und einem wissenschaftlichen Mitarbeiter teilte. Das hat mir sehr gut gefallen, sie waren sehr jung und nett und bei Problemen oder allgemeinen Fragen zur Kanzlei oder zum Studium konnte mich immer an die beiden wenden.

In den ersten beiden Tagen folgten für mich IT-Schulungen und die Einrichtung meines Arbeitsplatzes und Ordner im Datenraum. Erst danach folgten die ersten richtigen Aufgaben.

Mit welchen Aufgaben warst du üblicherweise betraut? Wie sah ein typischer Arbeitstag für dich aus?

Meist war ich zwischen 9:00 und 9:30 Uhr im Büro. Den Arbeitstag startete unser Team immer mit einem Teammeeting. Wir besprachen zum einen den aktuellen Stand laufender Projekte, zum anderen kommende Aufgaben und neue Fälle. In diesem Rahmen erhielt ich meist meine etwas größere Wochenaufgabe, sowie tageweise kleinere Tagesaufgaben.

Aber auch in Emails direkt vom Partner wurden mir Aufgaben aufgetragen, oder wissenschaftliche Mitarbeiter baten mich sie bei einer ihrer Aufgaben zu unterstützen.

Zu meinen üblichen Aufgaben zählten Arbeiten in Datenräumen, beispielsweise das Erstellen eines Indexes und das Überprüfen von Verträgen oder Entwürfen. Außerdem war ich häufig mit der Recherche zu Einzelthemen betraut. Hierbei hat mir wirklich geholfen, dass ich schon in der Universität für meine Hausarbeiten viel recherchieren musste. Des Weiteren habe ich Protokoll bei englischen Telefonaten geschrieben.

Generell hatte ich die ganze Zeit über das Gefühl mit meiner Arbeit einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Dies ist ein positives Gefühl und ich konnte auch fachlich viel für die Zukunft lernen. Sich in ein völlig neues Thema rein zu arbeiten hat mich weitergebracht.

In der Mittagspause gingen wir immer gemeinsam, meist in kleinen Gruppen, Mittagessen. Dafür haben wir uns eine oder anderthalb Stunden Zeit genommen. Auch am Nachmittag konnte ich mir in der Kantine im Haus immer Snacks und Getränke nehmen. Auch auf dem Stockwerk hatten wir eine eigene und gut gefüllte Küche.

Es gab zwar manchmal Leerläufe, aber in dieser Zeit habe ich eben an meiner Hausarbeit gearbeitet.

In circa 60 % der Fälle bin ich dann um 18 Uhr nach Hause gegangen. Selten war ich auch mal wesentlich länger, bis 20:00 Uhr, im Büro. Teilweise bin ich nach der Arbeit noch mit meinen Kollegen weg gegangen, zum Beispiel um den Abschied eines wissenschaftlichen Mitarbeiters zu feiern.

Welche Aspekte deines Praktikums fandest du besonders spannend? Gab es auch Dinge, die dir nicht gefallen haben?

Besonders gut hat mir die Arbeit an den Projekten gefallen. Sie waren wirklich interessant und ich konnte viel lernen. Außerdem habe ich mich stets als Teil des Teams gefühlt. So hat der Partner mich beispielsweise immer in den CC seiner Emails gesetzt. Das hat mich zusätzlich motiviert. Auch die Recherchen waren immer projektbezogen und dienten nicht nur der Beschäftigung.

Generell waren alle mit denen ich während meines Praktikums zu tun hatte sehr herzlich. Und haben sich wirklich großartig um mich gekümmert. Selbst, wenn der Partner für mehrere Tage außer Haus war, habe ich mich nicht allein gelassen gefühlt.

Diese Anstrengungen um den Nachwuchs zeichnen Hogan Lovells meiner Meinung nach wirklich aus. Es gibt außerdem verschiedenste Veranstaltungen: den Referendarsabend, Englischkurse sowie Kaiser Seminare für das zweite Staatsexamen.

Und meine Mentoren halten auch nach Ende des Praktikums noch Kontakt zu mir.

Würdest du generell empfehlen ein Praktikum in einer Großkanzlei wie Hogan Lovells zu machen? Was sind die Vorzüge?

Ich kann es auf jeden Fall empfehlen. Gerade, wenn man sich vorstellen kann nach dem Studium in einer Großkanzlei anzufangen, ist es sinnvoll die Arbeitsweise und das Arbeitsleben vorher anzuschauen und die Arbeitsintensität auzutesten.

Ich denke auch durch ein Praktikum kann man Vorurteile ausräumen und sich eine eigene Meinung zu diesem nicht ganz gewöhnlichen Arbeitsleben machen.

Auch das Rechtsgebiet, welches man vertiefen möchte kann man so finden, oder, sollte es nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen,  kann man ein Gebiet für sich ausschließen.

Mit meinem Praktikum habe ich außerdem das Ziel verfolgt mein Gesicht zu hinterlassen und Präsens zu zeigen. Im Besten Fall erinnern sich die Personaler noch an mich persönlich und generell werden ehemalige Praktikanten wohl bevorzugt eingestellt.

Vor dem Praktikum habe ich in einer kleineren Kanzlei gearbeitet, von daher hatte ich auch einen guten Vergleich. Ich halte es für wichtig, und kann es auch jedem nur empfehlen, verschiedene Praktika zu machen und möglichst viel Erfahrung zu sammeln.

Wie ging es für dich nach Abschluss des Praktikums weiter? Du sagtest, du hast noch Kontakt zu deinen Mentoren?

Nachdem ich mich an meinem letzten Tag im Büro mit einem Kuchen und einer Abschiedsmail verabschiedet hatte, erhielt ich wenige Tage danach ein ausführliches und äußerst freundliches Praktikumszeugnis.

Ja, ich stehe noch in Kontakt mit dem Partner, der mein Mentor war, und dem Anwalt welcher mich zudem betreut hat. Sie haben mir nicht nur zum Geburtstag gratuliert, sondern ich bin auch noch einmal mit ihnen, zusammen mit anderen ehemaligen PraktikantInnen, essen gegangen. Außerdem wurde ich zum Sommerfest und zur Weihnachtsfeier eingeladen. Ich stehe auch mit der Human Resources Abteilung noch in Kontakt, sie sagten ich soll mich nach dem ersten Staatsexamen wieder melden.

Ich rechne mir durch dieses Praktikum gute Chancen aus, sollte ich mich später um eine Einstellung als Anwalt bewerben. Außerdem habe ich so eine gute Networking-Basis geschaffen.

Hogan Lovells hat bei mir einen wirklich guten Eindruck hinterlassen, das Praktikum war rückblickend betrachtet genau die richtige Entscheidung für mich.

Dennis, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg!

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